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Man spricht Deutsch. Rechtschreibung beliebig? 80 Rechtschreibfehler in einem Abituraufsatz sind heute keine Seltenheit. Egal welche Texte – nicht nur von Schülern – man anschaut, man findet nur noch selten einen korrekt geschriebenen Satz. Neben der Grammatik ist es vor allem die Rechtschreibung, die Probleme bereitet. Grundsätze der Grammatik, wie die Kongruenz von Subjekt und Prädikat, der Unterschied zwischen dem Relativpronomen oder gar dem Artikel „das” und der Konjunktion „dass” wird nicht mehr beachtet, wobei man dabei nicht genau sagen kann, ist dies ein mangelhafter Umgang mit der Grammatik oder ist das nicht korrekt geschriebenes Deutsch. Rechtschreibung hat schließlich auch grammatikalische Konsequenzen.
Was sind nun die Gründe für die mangelnden orthografischen Kenntnisse in der Muttersprache Deutsch? Rechtschreibung ist etwas, was in jungen Jahren stetig geübt werden muss. In fast allen Bundesländern ist in den vergangenen Jahren die Stundenzahl für das Fach Deutsch deutlich gekürzt worden. Dadurch hat – in der kürzeren zur Verfügung stehenden Zeit – wegen der ebenfalls wichtigen Behandlung von Lektüren das Einüben der Grammatik und Orthografie das Nachsehen. Dies wirkt besonders fatal bei Schülern, deren Konzentrationsfähigkeit durch die ständige Reizüberflutung gegenüber früheren Generationen beständig abgenommen hat. Diese Reizüberflutung wird ständig größer, da die Medienvielfalt zunimmt, nicht aber die Kapazität des Aufnehmens. Die Didaktik stellt das spielerische Lernen in den Vordergrund, das wird aber von den Lernenden und deren Eltern häufig damit gleich gesetzt, dass etwas, was keinen Spaß macht, auch nicht gemacht werden soll. Üben macht selten Spaß, alle großen Leistungen erfordern Anstrengung. Im Bereich des Sport z.B. wird dies in unserer Gesellschaft akzeptiert, beim Sprachunterricht weniger, auch nicht bei der Muttersprache Deutsch.
Rechtschreibung im heutigen Sinn gibt es erst seit 1901. Warum also nicht sagen: Lasst uns einfach wieder phonetisch schreiben, man erkennt schon aus dem Kontext, was gemeint ist? In sehr abgemilderter Form liegt dieser Gedanke ja auch den jüngsten Rechtschreibreformen zugrunde. Das Problem liegt darin, dass man dann auch in Kauf nehmen muss, dass häufig die Grammatik nicht mehr beherrscht wird. Da diese aber die Grundlage für die Logik – sowohl die sprachliche als auch die allgemeine – bildet, werden die Menschen auf Dauer dadurch unfähiger zu denken. Das will wohl niemand.